Warum wir beim Angeln in Radolfzell nur noch die Zeche zahlen sollen
Das Artikelbild ist natürlich mit KI generiert und als reine Satire zu verstehen. Es trifft im Kern dennoch den Nagel auf den Kopf!!!
Wer dieser Tage in Radolfzell mit der Angel an die Ufer möchte, steht vor einem Trauerspiel. Das anhaltende Niedrigwasser hat die ohnehin spärlichen Spots am Untersee weitgehend unnutzbar gemacht. Wer gehofft hatte, als Uferangler wenigstens an die Radolfzeller Aach ausweichen zu können, steht auch dort vor verschlossenen Türen: Der letzte Sturm hat etliche Bäume umgeworfen und die wenigen verbliebenen Angelplätze komplett blockiert. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, greift die Stadt hier verständlicherweise nicht ein – die Natur wird sich selbst überlassen, womit auch diese Ausweichmöglichkeiten bis auf Weiteres dauerhaft verloren sind.
Für Angler ohne Boot schrumpft das Revier damit drastisch zusammen. Was im Stadtgebiet überhaupt noch nutzbar bleibt, sind im Grunde zwei Plätze: Der Bereich am Bahnhof, als der Hauptarm der Mole und der Molenarm direkt am Konzertsegel.
Doch während der Bahnhofsbereich in der Urlaubssaison wegen des touristischen Trubels als ruhiger Angelplatz faktisch ausfällt, wird uns Anglern nun auch die allerletzte Ausweichmöglichkeit systematisch genommen – nicht etwa durch Naturgewalten, sondern durch die städtische Veranstaltungsplanung.
Ein Versäumnis mit System
Bei Veranstaltungen am Konzertsegel wird der Zugang zur Mole regelmäßig großflächig mit Bauzäunen abgesperrt. In dieser Saison summieren sich diese Komplettsperrungen bereits auf 10 bis 14 Tage. Das Absurde daran: Der Zugangsweg auf die Mole müsste gar nicht im Veranstaltungsgelände liegen. Es bräuchte lediglich ein Minimum an organisatorischem Mitdenken – konkret das Versetzen der Bauzäune um etwa einen Meter nach hinten, um den Weg auf den Arm frei zu halten.
Eine Anfrage beim zuständigen Amt bringt jedoch nur die üblichen bürokratischen Schutzbehauptungen hervor. Man beruft sich pauschal auf „organisatorische und sicherheitstechnische Gründe“, die angeblich nicht leistbar seien. Mehr noch: Statt nach pragmatischen Lösungen für zahlende Bürger zu suchen, kündigt die Stadtverwaltung lieber an, künftig die Bestimmungen auf den Erlaubnisscheinen so anzupassen, dass Uferzonen bei Events pauschal als nicht zugänglich deklariert werden können.
Doppelmoral bei Pflichten und Gewässerschutz
Diese Haltung offenbart, welchen Stellenwert Uferangler bei der Stadt genießen. Als Angler entrichten wir ordnungsgemäß unsere Fischereiabgaben und erwerben die städtischen Erlaubnisscheine. Wir unterliegen strengen Auflagen, halten unsere Angelplätze sauber und beseitigen regelmäßig den Unrat, den andere am Ufer hinterlassen – kostenlos für die Stadt und aus Überzeugung für den Umweltschutz.
Wie wenig sich die Stadt im Gegenzug für den Zustand ihrer Ufer interessiert, zeigt ein Blick auf den kleinen Kiesstrand an der Mole zwischen Hafenmeisterei Wäschbruck und Hauptmole: Dort liegen derzeit zahlreiche verendete Aale, Brassen und Weißfische. Um die Beseitigung oder gar die Ursachen kümmert sich von städtischer Seite niemand. Das ist nicht nur bitter für den Fischbestand – insbesondere beim geschützten Aal –, sondern birgt auch gesundheitliche Risiken für das Gewässer.
Fazit: Zeit für ein Umdenken
Dass eine Stadtverwaltung ihre Uferangler als reine Einnahmequelle betrachtet, deren Rechte bei der ersten Veranstaltungsbude ersatzlos gestrichen werden, während Sturmholz und Totfische die letzten natürlichen Zugänge blockieren, ist nicht länger hinnehmbar. Wir verlangen keine Sonderrechte, sondern lediglich die Berücksichtigung unserer bezahlten Betretungsrechte bei der Veranstaltungsplanung und einen respektvollen Umgang mit der Natur vor unserer Haustür.
Sollte die Stadt Radolfzell weiterhin stur auf Abwehr schalten, wird dieses Thema nicht nur im Internet diskutiert werden, sondern muss den Weg in den Gemeinderat und an den Oberbürgermeister finden. Es ist Zeit, dass die Interessen aller Bürger am See wieder gehört werden.









